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Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V.

Modellschwerpunkt
Pflegerische Versorgung, Wohnen
Standort
Eichstetten am Kaiserstuhl, Baden-Württemberg
Ausgangssituation
Der ehemalige Bürgermeister von Eichstetten wurde während seiner Amtszeit mit der Frage konfrontiert, wie die Versorgung älterer Menschen im Ort in Zukunft organisiert werden könne, da die Pflege durch Familien aufgrund des vermehrten Wegzugs jüngerer Menschen nicht mehr geleistet werden könnte. Wegen der zu geringen Einwohnerzahl (2.800 Einwohner) haben die Sozialinstitutionen aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Bau einer Seniorenwohnanlage abgelehnt. Dadurch entstand die Frage, ob das Dorf Eichstetten dies nicht selbst tun könne. 1993 wurde per Gemeinderatsbeschluss ein Arbeitskreis mit verschiedenen Akteuren (z.B. Bürgermeister, Gemeinderat, Vertreter der Bürgerschaft, Kirche, kommunale Beratungsstelle für ältere Menschen, kirchliche Sozialstation, weitere soziale Organisationen) gebildet, der sich mit dieser Frage beschäftigte. Nachdem ein leer stehender Altbau abgerissen wurde, wurden in einem eigens errichteten Neubau Wohnungen für betreutes Wohnen eingerichtet. Als Träger wurde 1998 die Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V. gegründet und die erste Wohnanlage „Schwanenhof“ eröffnet.
Umfeld
Eichstetten hat ca. 3500 Einwohner und ist von Wein- und Landwirtschaft geprägt. Im Ort leben verhältnismäßig viele junge Familien(Altersdurchschnitt ca. 40 Jahre), während ca. 15% der Bevölkerung über 65 Jahre sind, jedoch mit steigender Tendenz (Prognose 2030: 25%). Die ärztliche Versorgung ist gut (620 Einwohner/Arzt); die Uniklinik Freiburg ist ca. 15km entfernt. Der nächstgelegene Pflegedienst wird von der kirchlichen Sozialstation im ca. 3km entfernten Botzingen betrieben.
Konzept
Zu den Angeboten gehören das Bürgerbüro als zentrale Anlaufstelle; betreutes Wohnen incl. Tagespflege in den 16 Wohnungen des Schwanenhofs; die ambulant betreute, v.a. auf demenzerkrankte Menschen ausgerichtete Pflegewohngruppe „Adlergarten“; Betreuung zur Unterstützung im eigenen Zuhause; ein integratives Tagescafé sowie Kernzeitbetreuung von Schulkindern. Für die Mitarbeiter gibt es verschiedene Schulungen (z.B. Demenz, Pflege, Hauswirtschaft), außerdem in Zusammenarbeit mit der Caritas eine 126-Stunden-Qualifikation zur „Alltagsbegleiterin“. Soziale, hauswirtschaftliche und kleinere pflegerische Aufgaben werden von den geschulten Ehrenamtlichen und Angestellten der Bürgergemeinschaft erbracht, während die Fachpflege vom Pflegedienst der kirchlichen Sozialstation Botzingen geleistet wird. Darüber hinaus wird zwischen Januar und Mai ein Programm mit verschiedenen Vorträgen und Kursen angeboten.
Gründungsjahr
1998
Initiatoren
Einzelperson, Gerhard Kiechle, Bürgermeister a.D.
Finanzierung
Die Immobilien wurden von privaten Investoren und der Gemeinde finanziert. Der Schwanenhof gehört einer Eigentümergemeinschaft aus Architekt, Gemeinde und privaten Wohnungsbesitzern, der Architekt ist Eigentümer des Adlergartens und die Gemeinde ist Generalmieterin. Die Qualifizierung zur Alltagsbegleiterin wurde durch Mittel aus dem Programm „Innovative Maßnahmen für Frauen im Ländlichen Raum“ aus dem „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER)“ finanziert. Zudem wurde der Verein vom Landesprogramm zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements in der Konzeptionsphase von 1996 bis 2000 mit ca. 15.000€ für fachliche Begleitung finanziell unterstützt. Für betreutes Wohnen, die Pflegewohngruppe, Tagespflege und Kernzeitbetreuung von Schulkindern fallen Betreuungspauschalen an; die Hausbetreuung wird stundenweise abgerechnet. Betreuungskosten können über das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz oder über Verhinderungspflege nach dem SGB XI abgerechnet werden. Laufende Kosten finanziert der Verein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und aus Veranstaltungseinnahmen. Die meisten Aufgaben (z.B. Bürgerbüro, Grundpflege, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Kernzeitbetreuung) werden von geringfügig Beschäftigten (8,50€ - 9€ / Stunde netto) und Aufgaben wie Besuchsdienste von Ehrenamtlichen ohne Aufwandsentschädigung geleistet.
Organisationsform
Gesundheitsnetz
Modellgröße und Kooperationspartner
14 fest angestellte Mitarbeiterinnen (z.B. Alltagsbegleiterinnen in der Wohngruppe Adlergarten), 60 geringfügig Beschäftigte sowie ca. 50 Ehrenamtliche versorgen 30 - 35 Bürger zu Hause, 27 Bewohner in den betreuten Wohnanlagen, sowie durchschnittlich 12 Menschen in der Tagespflege. Eine enge Kooperation besteht mit der Gemeinde, mit der kirchlichen Sozialstation Nördlicher Breisgau in Botzingen, mit der Caritas zur Durchführung von Familieneinsätzen, mit einem Hausärzteehepaar, der Hospizgruppe Eichstetten sowie mit dem Landfrauenverband Südbaden.
Innovative Elemente
Die Bürger Eichstettens organisieren in Eigenverantwortung die Versorgung älterer Menschen im Ort. Damit wird eine Versorgungslücke geschlossen und bürgerschaftliches Engagement und der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde gestärkt. Mit der Kernzeitbetreuung von Schulkindern in der Eichstetter Grund- und Hauptschule wird die Idee einer generationenübergreifenden Gemeinschaft umgesetzt. Durch die Mitarbeit von qualifizierten Ehrenamtlichen und geringfügig Beschäftigten bleiben die Leistungen bezahlbar.
Kontaktdaten
Helga Bär
Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V. Bürgerbüro im Schwanenhof Hauptstr. 32 79356 Eichstetten am Kaiserstuhl
Telefon: 07663 / 948686
E-Mail: info@buergergemeinschaft-eichstetten.de
Homepage: http://www.buergergemeinschaft-eichstetten.de